Projekt Blog – SCORES

Wie beeinflussen Emotionen unsere Entscheidungen?

Im Verbundprojekt SCORES – Sustainable Choices in Online and Real-world Economic Stress untersuchen Forschende, wie Emotionen Kaufentscheidungen im Alltag beeinflussen. Dank der Kombination aus Experience Sampling und physiologischer Messung liefert das Projekt neue Erkenntnisse über die Emotionsregulation bei nachhaltigem Konsum.

Ausgangssituation / Herausforderung

Nachhaltigkeit endet nicht beim Produkt – sie beginnt im Kopf. Doch wie treffen Menschen nachhaltige Entscheidungen, wenn sie emotional beansprucht sind, etwa beim Online-Shopping unter Stress? Die Forschung stand bisher vor der Herausforderung, echte Alltagsentscheidungen ökologisch valide zu erfassen – ohne die künstlichen Bedingungen des Labors.

Das Verbundprojekt SCORES

Titel: Sustainable Choices in Online and Real-world Economic Stress: Enhancing Emotional Regulation
Laufzeit: Januar 2025 – Dezember 2026
Leitung:
• Philipps-Universität Marburg – Prof. Dr. Dr. Martin Peper
• Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – PD Dr. Dipl.-Psych. Simone Nadine Löffler
Förderung: Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz (BMJV)

Das Projekt untersucht, welche emotionalen und physiologischen Mechanismen nachhaltige Konsumentscheidungen beeinflussen. Dabei werden Stress, Emotionsregulation und Selbstreflexion in realen Alltagssituationen erfasst.
SCORES Projektinformation

Lösung / eingesetzte Technologie

Um Emotionen, Selbstberichte, Kontextfaktoren und Verhalten in Alltagssituationen synchron zu erfassen, nutzt das Forschungsteam:
• die Experience Sampling Platform movisensXS, • kombiniert mit EcgMove 4 Sensoren zur Messung von Herzrate (ECG) und Bewegung.
Ein zentraler Bestandteil ist der Additional Heart Rate Trigger Algorithm (AHR), der auf der movisensXS App läuft. Der Sensor liefert kontinuierlich vorverarbeitete Herzfrequenz- und Bewegungsdaten via Bluetooth an die App. Dort analysiert der Algorithmus, ob ein Anstieg der Herzrate auf mentale oder emotionale Beanspruchung zurückzuführen ist – und löst in Echtzeit gezielte Experience-Sampling-Abfragen aus.
Sensorkopplung mit movisensXS

Methodik / Umsetzung im Detail

Das Projekt kombiniert Labor- und Feldansätze:
• Im Labor werden emotionale Reaktionen auf Konsumentensituationen standardisiert erfasst.
• Im Alltag liefern movisensXS und EcgMove 4 kontinuierliche Daten zu Herzrate, Bewegung und Stimmung.
• Sobald der AHR-Algorithmus emotionale Aktivierung erkennt, wird über die App eine Abfrage zur situativen Selbsteinschätzung ausgelöst.
Das Ergebnis: Hochauflösende, realitätsnahe Daten über das Zusammenspiel von Emotion, Verhalten und physiologischer Reaktion.

Technischer Hintergrund: Additional Heart Rate Trigger Algorithm (AHR)

Der AHR-Algorithmus erkennt, wenn ein Anstieg der Herzrate nicht durch körperliche Aktivität, sondern durch mentale oder emotionale Beanspruchung verursacht wird – den sogenannten non-metabolic oder additional heart rate-Anteil.
Dazu analysiert die movisensXS App kontinuierlich Herzfrequenz und Bewegungsintensität. Steigt die Herzrate stärker, als durch Bewegung erklärbar wäre, löst die App ein AHR-Ereignis aus und startet automatisch eine Experience-Sampling-Abfrage.
Der Algorithmus basiert auf den Arbeiten von Myrtek et al. (1988; 2001) zur Erfassung emotionaler EKG-Veränderungen und wurde für mobile Anwendungen optimiert. In Kombination mit den EcgMove 4-Sensoren und der Experience Sampling Plattform movisensXS erlaubt er eine präzise Verknüpfung von physiologischen Daten und subjektivem Erleben im Alltag.
AHR-Trigger-Algorithmus

Ergebnisse und Bedeutung

Mit Hilfe des AHR-Triggers kann das Forschungsteam emotionale Reaktionen zeitlich präzise identifizieren und im Alltag direkt erfassen. So wird erstmals möglich, emotionale Beanspruchung, Stress und Entscheidungsverhalten in Echtzeit zu koppeln – eine Basis für evidenzbasierte Empfehlungen im Verbraucherschutz und nachhaltigen Konsum.

Fazit & Ausblick

Das SCORES-Projekt zeigt, wie mobile Sensorik und Experience Sampling Alltagsforschung auf ein neues Niveau heben: wissenschaftlich präzise, ökologisch valide und alltagstauglich. Der Einsatz des AHR-Algorithmus erlaubt dabei die Erforschung emotionaler Prozesse bei nachhaltigen Entscheidungen.
Weitere Anwendungsbeispiele

Einsatz von movisens-Technologien in aktuellen Projekten

Das Herz und das Tauchen
Giuseppe Di Tursi vom Politecnico di Milano untersucht in seiner aktuellen Studie "CUORE E SUBACQUEA" die Herzphysiologie während des Tauchens mit den EKG-Sensoren von movisens. Hierbei handelt es sich um die erste Studie, die sich mit der Durchführbarkeit der Überwachung des Elektrokardiogramms und des Seismokardiogramms (d.h. der Messung der durch die mechanische Aktivität des Herzens verursachten Brustkorbvibrationen) während einer Tauchsitzung befasst. Das Hauptziel und die Innovation dieser Untersuchung liegt in der Bewertung und Quantifizierung der spontanen Anpassung der Herzmuskelmechanik an die Unterwasserumgebung..
Wir freuen uns übern die nun veröffentlichten Ergebnisse in "Divers for the Environment June 2022".

Artikel lesen

Sedentäres Verhalten im Fokus der Gesundheitsforschung

Dass sedentäres Verhalten Einfluss auf die Gesundheit hat ist bekannt. Forscher haben allerdings erst kürzlich begonnen, zwischen körperlicher Aktivität, Inaktivität und sitzendem Verhalten zu unterscheiden und sind aktuell daran deren unabhängige Auswirkungen auf die Gesundheit zu untersuchen.

Einen großen Beitrag in der Forschung zu sedentärem Verhalten leistet derzeit das „Sedentary Behaviour Research Network" (SBRN). Ihre Absichten liegen darin die Begrifflichkeiten für sedentäres Verhalten unter Berücksichtigung körperlicher In-/ Aktivität in einer einheitlichen Terminologie zu definieren.

Eine große Rolle hierbei spielt die Erkenntnis in welchem Maß die physiologischen Mechanismen körperlicher Aktivität miteinander verbunden sind. Ein Modell hierzu stellt der „24-Hour Activity Cycle: A New Paradigm for Physical Activity“ dar. Mit diesem Modell soll untersucht werden wie die Beziehung der physiologischen Mechanismen zu einander stehen und wie eng sie miteinander verbunden sind.

In wie weit die Differenzierung von körperlicher In-/Aktivität und sedentärem Verhalten für Stimmungsdimensionen relevant sein kann zeigt die aktuelle Studie „Sedentary behavior in everyday life relates negatively to mood: An ambulatory assessment study“. Hierbei wurde aufgezeigt, dass sitzende Verhaltensweisen als allgemeiner Risikofaktor angesehen werden können, da sie sowohl die somatische als auch die psychische Gesundheit betreffen. Eine weitere wichtige Erkenntnis dieser Studie besagt, dass körperliche Aktivität und sitzende Verhaltensweisen unabhängige Auswirkungen auf die Stimmungsdimensionen zeigen.


Möchten Sie sedentäres Verhalten analysieren?
Dann erfahren Sie, wie Sie durch den Einsatz unserer Analyselösungen sedentäres Verhalten im Alltag richtig aufzeichnen können.

Nutzen Sie gleichzeitig unsere neue Dokumantation und erfahren Sie alles über die Handhabung unserer Sensoren sowie Aufzeichnung und Analysemöglichkeiten auf einen Klick!

Ambulatory Assessment

Over the next few months we're going to be running a few long form articles on the news blog along with our regular news updates and product launches. For the first series of articles, we're going to talk a little bit about the origins of Ambulatory Assessment, it's development with technological advances, and some of the exciting future research possibilities that it allows. We hope you enjoy!

Ambulatory Assessment

A short summary of the current methodologies

Studying people in their natural habitat is no longer exclusively the domain of anthropologists in the wild. The jungle and the savannah no longer resemble the day to day experiences of modern urban dwelling homo-sapiens. However the legacy of our past is still locked within our psyche, and unravelling our psychological nature involves researchers utilizing new methods to delve deeper in to our minds and bodies.

The overarching ‘umbrella’ for all of the following research methods is Ambulatory Assessment. Whether you’re performing an Ecological Momentary Assessment or Experience Sampling study, they fall within the scope of Ambulatory Assessment.

The core idea of Ambulatory Assessment is to track parameters outside of the laboratory or clinic. Using electronic diaries and/or physiological sensors, researchers can cast aside the inaccuracy of patient reporting and gain valid real time or near real time data. Data not contaminated by the fallibility of participant recollection or miss reporting, and this allowed researchers a purer glimpse of the “… rich information about the daily lives of individuals who may be studied or treated by clinical scientists and mental health professionals.” (Trull & Ebner-Priemer, 2013)

The best and most concise definition of Ambulatory Assessment comes from the Society for Ambulatory Assessment website:

“Ambulatory Assessment comprises the use of field methods to assess the ongoing behavior, physiology, experience and environmental aspects of people in naturalistic or unconstrained settings. Ambulatory Assessment uses ecologically-valid tools to understand biopsychosocial processes as they unfold naturally in time and in context.”

Whilst Experience Sampling and Ecological Momentary Assessment and Daily Diary Studies are components of Ambulatory Assessment, this term often conjures Physiological Monitoring to mind. Research papers that cite Ambulatory Assessment in their keywords often utilize accelerometers, ECG, and other physiological parameters as the core data in their study.

So that brings us on to Ecological Momentary Assessment and Experience Sampling, two of the key components of Ambulatory Assessment, and just like Ambulatory Assessment, Ecological Momentary Assessment doesn’t really sound that catchy. Now, there’s a subtle difference between EMA and Experience Sampling. First I’ll pass it over to Reed Larson and Mihaly Csikszentmihalyi to recite the abstract from their 1983 article that defined the Experience Sampling Method:

“…the Experience Sampling Method (ESM), a research procedure that consists of asking individuals to provide systematic self-reports at random occasions during the waking hours of a normal week....The ESM obtains information about the private as well as the public aspects of individuals' lives, secures data about behavioral and intrapsychic aspects of daily activity, and obtains reports about people's experiences as they occur, thereby minimizing the effects of reliance on memory and reconstruction.”

Whilst gathering information from people during their daily lives is the primary role of Experience Sampling, the term has become used to describe gathering subjective data over time even within the laboratory or clinical setting. Now, let’s get back to Ecological Momentary Assessment. To perform great craftsmanship, a tradesman requires good tools, and for the researcher Ecological Momentary Assessment (EMA) is an incredibly powerful longitudinal study tool for harnessing subjective data in day to day life. The subtle difference between EMA and ESM (experience sampling methodology) lies in the origins of the two methods. EMA emerged out of the field of behavioral medicine, and as a result often includes physiological parameters or health related questions, and is primarily performed in a person’s day to day normal environment.

In the next part of this series, we’ll delve in to the advantages and drawbacks of Ambulatory Assessment, and discuss the impact of developing technology.